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ISO/IEC JTC 1/SC 42: Das zentrale KI-Normungsgremium
Entstehung und Bedeutung:
Das ISO/IEC JTC 1/SC 42 wurde 2017 als Antwort auf die wachsende Bedeutung der Künstlichen Intelligenz gegründet. Als gemeinsames Komitee der International Organization for Standardization (ISO) und der International Electrotechnical Commission (IEC) entwickelt es verbindliche internationale Standards für KI-Technologien. Über 50 Länder arbeiten aktiv an der Entwicklung dieser Standards mit, darunter Experten aus Industrie, Forschung und öffentlichen Einrichtungen.
Arbeitsgruppen und Schwerpunkte
Aktuelle Arbeitsstruktur:
- WG 1: Grundlegende Standards
- Entwicklung einheitlicher Begriffe und Definitionen für KI
- Festlegung von Grundprinzipien für KI-Systeme
- Erstellung von Rahmenwerken für KI-Governance
- WG 2: Daten
- Standards für Datenqualität in KI-Systemen
- Richtlinien für Datensammlung und -verarbeitung
- Anforderungen an Trainingsdaten für Machine Learning
- WG 3: Vertrauenswürdigkeit
- Entwicklung von Kriterien für vertrauenswürdige KI
- Standards für Transparenz und Erklärbarkeit
- Richtlinien für ethische KI-Entwicklung
- WG 4: Anwendungsfälle
- Sammlung und Analyse praktischer KI-Implementierungen
- Branchenspezifische Anforderungen
- Best Practices aus verschiedenen Industriezweigen
- WG 5: Rechnerische Ansätze
- Standards für KI-Algorithmen und -Modelle
- Leistungsmessung von KI-Systemen
- Technische Spezifikationen für KI-Hardware
Joint Working Groups:
Diese Gruppen arbeiten bereichsübergreifend an spezifischen Themen:
- JWG 2: Tests von KI-Systemen
- Entwicklung von Testmethoden für KI-Anwendungen
- Qualitätssicherung und Validierung
- Konformitätsprüfungen
- JWG 3: KI in der Gesundheitsinformatik
- Standards für medizinische KI-Anwendungen
- Datenschutz im Gesundheitswesen
- Patientensicherheit bei KI-gestützter Diagnostik
- JWG 4: Funktionale Sicherheit
- Integration von KI in sicherheitskritische Systeme
- Risikoanalyse und -management
- Ausfallsicherheit von KI-Komponenten
Praxisrelevante Standards
Kernbereiche für Anwender:
- KI-Managementsysteme:
- ISO/IEC 42001:2023 definiert Anforderungen an die Organisation und Führung von KI-Projekten
- Praktische Leitlinien für die Integration von KI in bestehende Managementsysteme
- Konkrete Handlungsempfehlungen für verschiedene Unternehmensgrößen
- Datensicherheit:
- Verknüpfung mit bewährten IT-Sicherheitsstandards (ISO/IEC 27000)
- Spezielle Anforderungen an den Schutz von KI-Trainingsdaten
- Maßnahmen gegen Manipulation und Cyberangriffe auf KI-Systeme
- Technische Implementation:
- Standards für die Verbindung von KI-Systemen mit IoT-Geräten
- Richtlinien für Cloud-basierte KI-Dienste
- Spezifikationen für Hardware-Schnittstellen und Prozessoren
Internationale Zusammenarbeit
Wichtige Kooperationspartner:
- IEC-Komitees: Zusammenarbeit bei technischen Standards für Smart Cities, medizinische Geräte und industrielle Automation
- ISO-Komitees: Koordination bei Robotik-Standards und übergreifendem Risikomanagement
- Externe Partner: Abstimmung mit IEEE für technische Standards und ITU für Telekommunikationsaspekte
Zukunftsperspektiven
Aktuelle Entwicklungen:
- Jährlich entstehen etwa 10 neue Normungsprojekte als Reaktion auf technologische Fortschritte
- Verstärkter Fokus auf Zertifizierungsprogramme für KI-Systeme und -Entwickler
- Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in KI-Standards, beispielsweise Energieeffizienz von KI-Systemen
- Entwicklung von Standards für ethische KI-Entwicklung und gesellschaftliche Auswirkungen
Diese Standards bilden die Grundlage für eine sichere und verantwortungsvolle Entwicklung von KI-Technologien und helfen Unternehmen bei der praktischen Umsetzung ihrer KI-Projekte.