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Liebe Community,

wir möchten Sie Ihnen noch einmal ganz herzlich für Ihre Teilnahme an unserer Online-Veranstaltung „Analyse und Wege zu einer schafstofffreien Zukunft - PFAS im Fokus“ am 14. Mai 2025 bedanken und laden all jene, die nicht dabei sein konnten dazu ein, sich die Aufzeichnung im Nachgang anzuschauen. 

Auf dieser Seite finden Sie:

  1. Aufzeichnung
  2. Vortragsfolien
  3. Q&A - beantwortete offene Beantwortung der noch offenen Fragen aus dem Chat der Veranstaltung

Teilen Sie uns gern Ihre Meinung zu den Herausforderungen im Kontext von PFAS mit: https://www.menti.com/alx7satmpdw2


Unterlagen zu einem Mitte 2024 auf internationaler Normungsebene stattgefundenen Workshop zum Thema PFAS finden Sie hier: 
Link zu IEC


1. Aufzeichnung

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2. Vortragsfolien

ReferentTitelFolien

Prof. Dr. Thorsten Reemtsma


Einführung in das Thema

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Dr. Stefan Kacan

PFAS im politischen Fokus - die UPFAS-Beschränkungen

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Prof. Dr. Große-Ophoff

PFAS - Wissenschaftliche Einordnung der Umwelt- und Gesundheitsprobleme

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Dr. Benedikt Hendan

PFAS - Analytik in Consumer-Produkten und Umweltanalytik

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Maximilian Nobis

Erzeugnisse und Gemische für die Ewigkeit - Relevanz, Analytik und Bewertung von PFAS in Papier, Textilien und weiteren Erzeugnissen und Gemischen

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3. Q&A

Hinweis: Die Fragenstellenden wurden aus Datenschutzgründen anonymisiert. Die inhaltlichen Kommentare bzw. die Beantwortung der Frage wurde zugeordnet, sofern es sich um die Antwort eines Referenten handelte.


Frage
Bei der Übersicht des Einsatzes von PFAS wurde Transport genannt. Der Transport indiziert dann auch den Einsatz bzw. Verwendung im Bereich der Energiespeichersysteme bzw. Batterien?

Antwort Dr. Kacan UBA:  Das ist richtig. Jedoch wurden in der aktuellen Diskussion auf der Grundlage der in der öffentlichen Konsultation erhaltenen Kommentare Energiespeichersysteme aus dem Sektor Transport herausgenommen. Sie werden im Bereich Energie und Elektronik behandelt. Unter diesem Aspekt werden auch mögliche Ausnahmen diskutiert.

Frage
Ist es wirklich so (sprich gibt es konkrete Untersuchungsergebnisse), dass aktuell PFAS in EU-Produktionsstandorten in die OF-Gewässer gelangt? Nach den mir bekannten dokumentierten (z. B. die auch heute genannten) Fällen, resultieren die Einträge und somit die Daten aus dem historischen Umgang (Stichwort PFAS in FL-Schäumen, Schlämme aus der Papierindustrie. ...).

Antwort Dr. Kacan UBA:  Nicht nur. Auch in der Nähe von Produktionsstandorten wurden erhöhte PFAS-Konzentrationen gemessen. Jedoch wurden bereits seit mehreren Jahren verschiedene Risikominderungsmaßnahmen seitens der Industrie umgesetzt.


Frage
Das Bundesverfassungsgericht hat folgende Feststellung im Urteil vom  24.03.2021 getroffen:  Das Grundgesetz verpflichtet unter bestimmten Voraussetzungen zur Sicherung grundrechtsgeschützter Freiheit über die Zeit und zur verhältnismäßigen Verteilung von Freiheitschancen über die Generationen. Subjektivrechtlich schützen die Grundrechte als intertemporale Freiheitssicherung vor einer einseitigen Verlagerung der durch Art. 20a GG aufgegebenen Treibhausgasminderungslast in die Zukunft. Auch der objektivrechtliche Schutzauftrag des Art. 20a GG schließt die Notwendigkeit ein, mit den natürlichen Lebensgrundlagen so sorgsam umzugehen und sie der Nachwelt in solchem Zustand zu hinterlassen, dass nachfolgende Generationen diese nicht nur um den Preis radikaler eigener Enthaltsamkeit weiter bewahren könnten.  Dieser Aspekt scheint mir in der Beurteilung zu fehlen?

Antwort Dr. Kacan UBA:  Zukünftige Generationen betrachten wir im Hazard Assessment - sei es durch die Übertragung von PFAS über das Nabelschnurblut und den Verbleib von PFAS in der Umwelt über Generationen. Ebenso adressieren wir die laufende Diskussion zu den planetaren Grenzen und PFAS. Es ist nicht ganz explizit als Generationsgerechtigkeit benannt ebenso beziehen wir uns nicht auf den Schutzauftrag gemäß GG. Wir beziehen uns auf REACH.

Darüber hinaus steht im Artikel 191 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union (TFEU):

  1. Union policy on the environment shall contribute to pursuit of the following objectives:

- preserving, protecting and improving the quality of the environment,

- protecting human health,

- prudent and rational utilisation of natural resources, promoting measures at international level to deal with regional or worldwide environmental problems, and in particular combating climate change.

  1. Union policy on the environment shall aim at a high level of protection taking into account the diversity of situations in the various regions of the Union. It shall be based on the precautionary principle and on the principles that preventive action should be taken, that environmental damage should as a priority be rectified at source and that the polluter should pay. […].


Frage
Werden die Beschränkungen der PFAS innerhalb der EU im Anhang XVII der REACH Verordnung geregelt werden?

Antwort Dr. Kacan UBA: Wir haben den Entwurf für die Beschränkung erarbeitet, der derzeit zwischen den Dossier-Einreichern und der ECHA diskutiert wird. Ja, die finale Beschränkung von PFAS wird unter Anhang XVII der REACH Verordnung geregelt.

Inhaltlicher Kommentar von M. Nobis LAVES:
Hier finden Sie eine gute Zusammenfassung aller Grenzwerte weltweit: https://www.intertek.com.cn/diypage/upload/PFAS-Regulations-Round-up.pdf'

Frage
Hat das UBA den Beschränkungsvorschlag nach den ganzen Konsultationen nicht geändert?

Antwort Dr. Kacan UBA: Auf der Grundlage der in der öffentlichen Konsultation erhaltenen Kommentare wird der Beschränkungsvorschlag derzeit von den Dossierereinreichern gemeinsam mit den wissenschaftlichen Gremien der ECHA diskutiert. Es wird umfangreiche Änderungen geben.

Frage
Für 8:2 FTOH gelten unterschiedliche Grenzwerte, beispielsweise 0,26 mg/kg gemäß REACh und 1 mg/kg nach der POP-Verordnung. Ist in Zukunft eine Harmonisierung dieser Grenzwerte geplant?

Inhaltlicher Kommentar von M. Nobis LAVES:
in unserer Beurteilung ziehe ich den Grenzwert nach POP-VO (1 mg/kg) heran. Wir hoffen ebenfalls auf eine Harmonisierung und sehen vor dem Hintergrund des Recyclings einen höheren Grenzwert als "praxisnäher". Ich denke die Frage sollten Sie am besten an die ECHA, BAUA oder die Kommission richten.

Frage
Was passiert mit PFAS in der Müllverbrennung?

Inhaltlicher Kommentar von M. Nobis LAVES:
Die Verbrennung ist sowohl temperaturabhängig als auch von der PFAS-Spezies abhängig. Diese Diskussion betrifft auch die Gesamtfluoranalytik und die Unterscheidung zwischen organischem und anorganischem Fluor. Es ist davon auszugehen, dass bei einer Hochtemperaturverbrennung die PFAS vollständig zu HF abgebaut werden - das lässt sich analytisch nachweisen. Ob diese Temperaturen in der Hausmüllverbrennung erreicht werden, kann ich nicht beurteilen.

Inhaltlicher Kommentar
Mineralization of fluoropolymers from combustion in a pilot plant under representative european municipal and hazardous waste combustor conditions

Inhaltlicher Kommentar
Der verlinkte Artikel zur Verbrennung wird kritisiert, u.a. weil die Bedingungen, unter der die Verbrennung gemacht wurde nicht denen der Realität entspricht. Zudem ist der Co-Autor für für einen Hersteller von PFAS tätig. Es gibt auch andere Studien, die die Zerstörung nicht so "eindeutig" zeigen.

Inhaltlicher Kommentar von Markus Große Ophoff:
Hier Link zu dem wissenschaftlichen Fachartikel zu PFAS: PFAS: forever chemicals—persistent, bioaccumulative and mobile. Reviewing the status and the need for their phase out and remediation of contaminated sites

Inhaltlicher Kommentar

https://produktionnrw.org/pfas-regulierungsaktivitaeten-weltweit/

Frage
Können Sie (Dr. Hendan) am Ende bitte nochmal auf die "gezielte Analyse mit limitierter Spezifität" eingehen, wie hier genau vorgegangen wird

Inhaltlicher Kommentar von B. Hendan
Damit ist gemeint, dass der gezielten Analytik eine chemische Behandlung vorgelagert wird, bei der aus verwandten Verbindungen die PFAS erzeugt werden, die der Analytik zugänglich sind. Beispiele: Freisetzung von n:2 FTOH durch alkalische Hydrolyse von seitenketten-fluorierten Polymeren auf Polyacrylatbasis mit estergebundenen n:2 Fluortelomeralkoholen nach EN 17681-1:2025 oder die Oxidation von verwandten Substanzen zu den entsprechenden Perfluorcarbonsäuren (TOP-Assay) nach DIN 3608:2024


Frage

Wie stellen denn die Produzenten der verschiedenen PFAS analytisch die Produktreinheit sicher bzw. wie hoch ist diese für die einzelnen Produkte?

Inhaltlicher Kommentar von B. Hendan
Analytisch ist der Frage der PFAS-Freiheit kaum beizukommen. Letztendlich ist es eine Frage der Zuverlässigkeit der Lieferkette und der Sorgfalt der Produzenten in den verschiedenen Verarbeitungsstufen. Ein geeignetes Chemikalienmanagement in der gesamten Produktionskette ist notwendig. Die Rohmaterialen, die Prozesschemikalien aber auch die Produktionsmaschinen und deren Betriebsstoffe müssen in der gesamten Produktionskette PFAS-frei sein. Die Einhaltung der ZDHC-MRSL für Textil- und Lederprozesschemikalien kann ein Baustein von mehreren in diesem Szenario sein. Selbstverständlich kann man nach den einzelnen Produktionsschritten Materialien auf ihren PFAS-Gehalt prüfen, aber das können nur Stichproben sein, die nicht zuverlässig Auskunft über die gesamte Produktion geben, und es kann sehr teuer werden.

Inhaltlicher Kommentar von Markus Große Ophoff
Ich sehe in der Analytik zukünftig insbesondere bei den Abbauprodukten von mittlerweile eingeführten "abbaubaren" PFAS. Wie Herr Reemtsma dargestellt hat werden diese zu kleineren perflourierten Verbindungen abgebaut. Es ist nicht damit zu rechnen, dass diese komplett zu unschädlichen Substanzen abgebaut werden. Leider haben wir an dieser Stelle ein Problem beim Zulassungsverfahren nach REACH, da dort insbesondere Daten für den Stoff selbst gefordert werden und nicht für die Abbauprodukte. Teil müsste man erst aufwändig ermitteln, um welche Abbauprodukte es sich handelt. In diesem Berreich ist noch Handlungsbedarf.


Frage

Ist Ihnen eine Übersicht bekannt welche PFAS in Löschschäumen eingesetzt wurden?

Inhaltlicher Kommentar von Markus Große Ophoff:
In Feuerlöschschäumen wurde in der Vergangenheit insbesondere PFOS eingesetzt. Mit dem Verbot von PFOS wurden dan eine Reihe anderer PFAS wie beispielsweise H4PFOS eingeführt, die aber zu ähnlichen Umweltbelastungen führen.

Inhaltlicher Kommentar von B. Hendan
Schauen Sie bitte: UBA. (2024). Austausch von PFAS-haltigen Feuerlöschschäumen Was ist zu beachten? https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/uba_hg_feuerloeschschaum.pdf

Inhaltlicher Kommentar
Es gibt ebenfalls die Norm: DIN 38409-59:2022-10

Deutsche Einheitsverfahren zur Wasser-, Abwasser- und Schlammuntersuchung - Summarische Wirkungs- und Stoffkenngrößen (Gruppe H) - Teil 59: Bestimmung von adsorbierbarem organisch gebundenem Fluor, Chlor, Brom und Iod (AOF, AOCl, AOBr, AOI) mittels Verbrennung und nachfolgender ionenchromatographischer Messung (H 59)


Frage

Wäre es in der Überwachung der uPFAS Beschränkung eine Option, über TF/TOF Messungen zu gehen und im Fall eines Nachweises von Fluor zu verlangen, dass der Hersteller nachweist, dass es sich hier um Fluorvergindungen handelt, die nicht PFAS sind?

Inhaltlicher Kommentar von B. Hendan
Die Bestimmungsgrenze für die TF-Bestimmung liegt > 400-fach über den geplanten Grenzwerten für die Einzelsubstanzen. Die TF-Option wurde eingeführt, um auch die nicht löslichen und der gezielten Analytik damit nicht zugänglichen Polymere erfassen zu können.

Inhaltlicher Kommentar von M. Nobis LAVES:
Das wird die Vorgehensweise werden. Es müssen schlussendlich die Dokumente der Rohwaren geprüft werden. Es ist dennoch hilfreich zunächst das anorganischem Fluor auszuschließen, um eine Vorauswahl zu treffen. Das reduziert den Aufwand der Dokumentenprüfung.


Frage

Ist die Temperatur in der Bombe und im Verbrennungsrohr grösser als die 800°C in der Mullverbrennung und werden PFAS darin tatsächlich zersetzt?

Inhaltlicher Kommentar von M. Nobis LAVES:
Die Verbrennung im Rohr läuft üblicherweise bei 1050 °C ab.

Frage
Uns wurde nahegelegt auch nicht-textilen Zutaten von Bekleidung (Reißverschlüsse, Knöpfe, etc.) auf PFAS untersuchen zu lassen. Nach welcher Norm, auf welche Substanzen lässt man hier testen? Macht das überhaupt Sinn?

Inhaltlicher Kommentar von B. Hendan:

Grundsätzlich können PFAS auch an Metalloberflächen von nicht-textilen Zutaten haften oder in Polymere eingearbeitet sein. Oberfläche Anhaftungen können mit EN 17681-1:2025 untersucht werden. Bei festen Polymeren, wie z.B. Kunststoffknöpfen, würde die geplante Methode für die Schuhe mit THF-Extraktion höhere Ergebnisse liefern, da Methanol in viele Kunststoffe nicht sehr tief eindringt.

Frage
Haben Sie auf Folie 13 FTMA mittels der Hydrolyse erhalten? Sollte bei der Hydrolyse sich das FTMA nicht zu FTOH umsetzen?

Inhaltlicher Kommentar von M. Nobis:

Ich möchte Sie an dieser Stelle auf die Literaturangabe hinweisen: Quelle: Per and Polyfluoroalkyl Substances in Canadian Fast Food Packaging; Heather Schwartz Narbonne et al.; Environ. Sci . Technol . Lett . 2023, 10, 343−349

Inhaltlicher Kommentar
Der Großteil der hergestellten Papierprodukte betrifft diese Beschichtungen nicht, bitte differenzieren Sie hier und scheren nicht alle Papierprodukte über einen Kamm.

Inhaltlicher Kommentar von M. Nobis:

Aus der Präsentation sollte hervorgehen, dass sowohl von uns als auch von der genannten Verbraucherschutzorganisation hauptsächlich Bagasse und Faserguss untersucht werden bzw. wurden. Wir scheren nicht alle Produkte, abhängig von ihrer Zusammensetzung, über einen Kamm. Einweg bleibt aber nun mal Einweg. Papier als die Lösung aller Probleme darzustellen, ohne die eingesetzten Chemikalien zu berücksichtigen, kann nicht der richtige Weg sein. Wir brauchen für alle Einwegprodukte eine differenzierte Betrachtung inklusive der damit einhergehenden Chemie. Schon die Liste nach BfR-Empfehlung XXXVI für die Veredelung von Papier ist, neben PFAS, lang und der damit verbundene Prüfaufwand kann enorm sein.

Frage
Es gibt eine aktuelle Studie der Ritsumeikan Universität aus Japan, die ein Verfahren bei Raumtemperatur zur Zersetzung von Perfluoralkylsubstanzen (PFAS) mit sichtbarem LED-Licht entwickelt hat und eine vielversprechende Lösung für ein nachhaltiges Fluorrecycling und PFAS-Behandlung darstellt. Forscher der Ritsumeikan University erreichten einen 100-prozentigen Abbau von Perfluoroctansulfonat (einer Art von PFAS) in nur acht Stunden und einen 81-prozentigen Abbau von Nafion (einem Fluorpolymer) in 24 Stunden. Dieser innovative Ansatz kann Fluor aus PFAS-Abfällen zurückgewinnen, wodurch der Bedarf an neuer Fluorproduktion reduziert wird. Ist diese Studie bekannt und valide? Kann das ein Alternative zur Verbrennung sein?

Inhaltlicher Kommentar von M. Nobis:

Wir prüfen lediglich Verbraucherprodukte auf PFAS. Eine Überprüfung des Abbaus liegt nicht in unserer Zuständigkeit. Es ist zu unterscheiden zwischen verschiedenen Matrices. In Trinkwasser ist ein Abbau über Licht gegebenenfalls möglich. Ob dies bei Verbraucherprodukten möglich ist, kann ich nicht beurteilen. Es ist aber davon auszugehen, dass eine separate Sammlung von PFAS-belasteten Abfällen von Verbraucherprodukten notwendig ist. Dies erscheint nicht praktikabel.


Frage

Über GC-MSMS haben Sie nur die Alkohole und Acrylate gemessen, oder?

Inhaltlicher Kommentar von M. Nobis:

Ja, das ist so richtig. Wir sind uns der Grenzen der Methode bewusst. Jede PFAS-Analytik hat ihre Grenzen. Ob durch die Hydrolyse weitere GC- oder LC-gängige PFAS in signifikanten Mengen freigesetzt werden, wissen wir aufgrund der Begrenzung auf wenige Leitsubstanzen nicht. Die Acrylester-Chemie ist nur ein Teil der möglichen Verbindungen. Die häufig untersuchten perfluorierten Carbonsäuren wurden, nach hiesiger Einschätzung, in Verbraucherprodukten nie eingesetzt, um einen technischen Zweck zu erfüllen.   

Frage
Wurden auch Geotextilien (Geotextilien in Deponien) untersucht? Wie groß kann der Eintrag durch  Abrieb/Ablösung  in die Umwelt sein?

Inhaltlicher Kommentar von M. Nobis:

Wir prüfen nur Textilien, die vom Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) erfasst werden. Außerhalb davon haben wir keine Zuständigkeit.


Frage
Was bedeutet die sogenannte 80-zu-20-Regel im Zusammenhang mit der rechtlichen Bewertung von PFAS-Gehalten in Textilien. Können Sie das bitte nochmal konkretisieren?

Inhaltlicher Kommentar von M. Nobis:

Mit 20 % des Aufwands können 80 % des Effekts erzielt werden. Der geringste Aufwand besteht für Unternehmen darin den technischen Einsatz von PFAS in bzw. auf Textilien aus der Lieferkette zu verbannen. Technischer Einsatz bedeutet hier, dass PFAS mit dem Ziel eingesetzt wurden, um ein Textil wasser-, öl- und schmutzabweisend auszurüsten. Dies kann durch den Einsatz von entsprechender Rohware erreicht werden. Hierfür ist eine Kontrolle der Lieferkette notwendig. Auf diese Weise können große Mengen PFAS in Verbraucherprodukten vermieden werden. Wir sehen hier deshalb keine andere Handhabe als solche Proben zu beanstanden.

Mit weiteren 80 % des Aufwands können noch 20 % des Effekts erreicht werden. Dies betrifft Kontaminationen mit PFAS in Verbraucherprodukten, die nicht für einen technischen Einsatz im Endprodukt ausreichend sind. Die Gehalte im Verbraucherprodukt sind deshalb wesentlich niedriger. Der ausschließlich vom Verbraucherprodukt ausgehende PFAS-Eintrag in die Umwelt ist als geringer einzuschätzen. Wir empfehlen den Unternehmen deshalb nur der Ursache auf den Grund zu gehen. An die Vollzugsbehörden geht deshalb nur ein Schreiben, dass das Unternehmen auf die Tatsache hinweisen soll.

Wir befinden uns gerade in einer Übergangsphase, in welcher wir noch sehr viele Produkte mit einer PFAS-Ausrüstung finden und gleichzeitig viele kontaminierte Produkte. Unter Abwägung der Verhältnismäßigkeit ist es deshalb zunächst sinnvoll den technischen Einsatz von PFAS im Verbraucherprodukt zu unterbinden. Es ist uns bewusst, dass dies eine sehr beschränkte Sichtweise ist und es auch während der Produktion zur PFAS-Freisetzung kommen kann. Allerdings sind wir nur für die Prüfung des Verbraucherprodukts zuständig.   


1Quelle: https://www.din.de/resource/blob/892088/c40c36233a3ffbaad0f2a48a6c95f603/din-mitteilungen-2022-08-per-und-polyfluorierte-alkylsubstanzen-data.pdf


Hintergrund

Heutzutage sind etwa 10.000 verschiedene Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS)  bekannt. Aufgrund ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften werden sie in zahlreichen industriellen Prozessen und technischen Anwendungen eingesetzt und sind in zahlreichen Verbraucherprodukten vertreten.

PFAS weisen eine hohe thermische und chemische Stabilität auf und sind resistent gegenüber biologischem Abbau. Ihre Stabilität sowie ihre vielfältige Anwendung haben zur Folge, dass PFAS über verschiedene Pfade in die Umwelt und schließlich auch in die Nahrungskette gelangen. Sie sind allgegenwärtig als Hintergrundkontamination in der ­Umwelt zu finden. Einige PFAS reichern sich in Pflanzen, Tieren und im Menschen an und wirken gesundheitsschädigend.1

PFAS sind für die Circular Economy eine große Herausforderung, da sie als sogenannte Ewigkeitschemikalien in Recyclingprozessen Materialströme kontaminieren, da sie sich nicht zersetzen, und sogar toxische Nebenprodukte wie Fluorverbindungen freisetzen können. Im Hinblick auf die Bestrebungen der Circular Economy, die Sekundärrohstoffquote zu erhöhen und Kreisläufe zu schließen, stellen PFAS daher eine große Herausforderung dar. 

Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit PFAS gestaltet werden kann – und welche Lösungswege es gibt.



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Ihr Kontakt

Fanni Florian

          Fanni.Florian@din.de