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"KI-Ethik News" liefert Ihnen werktäglich die wichtigsten Entwicklungen rund um den AI Act, DIN-Normen, Compliance und Unternehmenspraxis – kompakt, verständlich und mit exklusiver Einordnung von Arno Schimmelpfennig, einem renommierten Experten für KI-Normung in Deutschland. Für Entscheider, Compliance-Manager, Tech-Professionals und alle, die wissen wollen, wie KI die Wirtschaft und Gesellschaft verändert.
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NEUE FOLGE: 28.7.2025

KI-Entwicklungen mit Relevanz fĂĽr die Normung

Datum: 2. August 2025
Zielgruppe: Fachgremien, Normenanwender:innen, Arbeitskreise im NA Normenpraxis


1. Deepfake-CEO in Hongkong – neue Anforderungen an Normen für Identitätsprüfung und Kommunikationssicherheit

Ein Unternehmen in Hongkong wurde Opfer eines groß angelegten KI-Betrugs. Ein Mitarbeiter überwies 23 Millionen Euro in der Annahme, mit seinem CEO in einem Videocall zu sprechen. Das Gespräch war vollständig KI-generiert – inklusive Stimmklon, Videoavatar und Hintergrundkulisse.

Normungsrelevanz:
– Der Fall zeigt die Dringlichkeit verlässlicher technischer Standards zur Authentifizierung in digitalen Echtzeitmedien
– Bestehende Normen zur Informationssicherheit (z. B. ISO/IEC 27001) reichen für KI-basierte Täuschungsszenarien nicht aus
– Es fehlt an eindeutigen, normierten Verfahren zur Verifikation digitaler Identitäten in Live-Kommunikation

Implikation fĂĽr Arbeitskreise:
Die Entwicklung praxisnaher Normen für manipulationsresistente Kommunikationsprozesse wird erforderlich – inklusive standardisierter Sicherheitsmechanismen (z. B. visuelle Wasserzeichen, Echtzeit-Bestätigungssysteme, auditierbare Identitätsprotokolle). Auch kleinere Unternehmen benötigen praktikable Schutzstandards.


2. Apple setzt auf KI-Übernahmen – Dynamik in proprietären Ökosystemen

Apple hat Verzögerungen bei der Einführung seiner eigenen KI-Sprachassistenz eingeräumt und reagiert mit Übernahmeplänen. Ins Visier geraten sind die Anbieter Perplexity und Mistral – beide mit starker Position in der generativen KI.

Normungsrelevanz:
– Die Konzentration von KI-Kompetenz bei marktbeherrschenden Konzernen erschwert die Entwicklung offener, interoperabler Standards
– Proprietäre Systeme (z. B. Apple-Ökosystem) können normative Anschlussfähigkeit behindern, etwa bei Schnittstellen oder Datenmodellen
– Gleichzeitig steigen die Erwartungen an die Standardisierung KI-gestützter Assistenzsysteme im Consumer- und Unternehmensbereich

Implikation fĂĽr Arbeitskreise:
Normungsgremien sollten stärker auf systemoffene Standards achten, die auch in proprietäre Ökosysteme eingebunden werden können. Für mittelständische Anwender braucht es klare Anforderungen an Integration, Datensouveränität und Transparenz von KI-Funktionalitäten – auch in Plattformen großer Anbieter.


3. KI in der Justiz – Estland erprobt Algorithmus zur Urteilsunterstützung

Estland testet als erstes europäisches Land ein KI-gestütztes System zur richterlichen Entscheidungsfindung in Zivilverfahren. Die Software analysiert vergleichbare Urteile, wertet Akten aus und macht Vorschläge für Urteilsformulierungen. Der Mensch bleibt formell entscheidend – das System ist unterstützend.

Normungsrelevanz:
– Es fehlen international konsentierte Anforderungen an den Einsatz von KI in normativen bzw. rechtsverbindlichen Kontexten
– Trainingsdaten, Modelltransparenz und Qualitätssicherung müssen bei Justiz-KI besonders klar geregelt sein
– Auch die Frage der Haftung und Verantwortung bei KI-gestützten Entscheidungen ist derzeit nicht normativ geklärt

Implikation fĂĽr Arbeitskreise:
Für die Normung entstehen neue Aufgaben an der Schnittstelle von KI, Ethik und Governance – z. B. bei Kriterien für Nachvollziehbarkeit, algorithmische Neutralität oder gerichtliche Prüfbarkeit von Empfehlungen. Standards zur dokumentierten Risikobewertung bei KI-Systemen im öffentlichen Sektor sind dringend erforderlich.