Die Entwicklung und Anwendung von Normen im Bereich künstlicher Intelligenz (KI) steht vor besonderen Herausforderungen:

  • Agilität vs. Regulierungsbedarf: Die rasante technologische Entwicklung erfordert flexible Normungsprozesse, während gesellschaftliche Implikationen eine breite Beteiligung verschiedener Interessengruppen notwendig machen.
  • Langsame Prozesse: Traditionelle Normungsverfahren dauern oft Jahre oder Jahrzehnte – ein Tempo, das mit der KI-Innovation nicht mithalten kann.
  • Fehlende Anwenderbeteiligung: Normen entstehen häufig ohne ausreichende Einbeziehung derjenigen, die sie letztendlich umsetzen müssen.
  • Intransparenz: Viele Stakeholder haben kaum Einblick in die Entscheidungswege und Einflussmöglichkeiten der Normungsprozesse.

Normung im Kontext des EU AI Acts

Der EU AI Act verweist auf harmonisierte Normen als Grundlage für die Konformitätsbewertung von Hochrisiko-KI-Systemen (Artikel 43). Unternehmen müssen umfangreiche Anforderungen erfüllen – harmonisierte Normen sollen diesen Prozess erleichtern, sind aber oft schwer zugänglich oder anwendungsfern.


Konzept der offenen Normung

Das Konzept der offenen Normung setzt auf Inklusivität, Transparenz und Praxisorientierung. Ziel ist es, Normungsprozesse zugänglicher und agiler zu gestalten.

Zentrale Prinzipien der offenen Normung

Inklusivität und Diversität
→ Beteiligung von KMUs, Zivilgesellschaft, Forschung und Anwendern, die bisher oft ausgeschlossen sind.

Transparenz und Nachvollziehbarkeit
→ Klare Dokumentation von Entscheidungsprozessen, öffentliche Diskussionsstände, offene Einflussmöglichkeiten.

Agilität und Flexibilität
→ Iterative und adaptive Normungsprozesse, Modularisierung von Normen, Erprobung durch Feedback-Schleifen.

Praxisorientierung
→ Direkte Testung von Normentwürfen in realen Anwendungskontexten, kontinuierliche Anpassung durch Nutzerfeedback.

Barrierefreiheit
→ Finanzielle, sprachliche und technische Hürden für die Beteiligung und Nutzung minimieren.

Diese Prinzipien erfordern strukturelle und kulturelle Veränderungen in Normungsinstitutionen und Unternehmen.


Kooperationsmodelle mit Normungsinstitutionen

1. Multi-Stakeholder-Plattformen

🌍 Plattformen für den Austausch zwischen Wirtschaft, Forschung, Normungsorganisationen und Zivilgesellschaft.
➡ Ziel: Normen praxisnäher gestalten und bestehende Lücken identifizieren.

Erfolgsfaktoren:

  • Strukturierter Dialog mit klar definierten Zielen
  • Transparente Moderation und Entscheidungsprozesse
  • Verbindliche Umsetzung von Ergebnissen in Normungsprozesse

2. Living Labs & Experimentierräume

🏗 Reale Testumgebungen zur praktischen Erprobung neuer Normen.
Nutzen: Unternehmen können neue KI-Normen direkt im Betrieb testen, bevor sie verpflichtend werden.

Praxisbeispiel: EU AI Act und Living Labs

  • Testumgebungen für Hochrisiko-KI-Systeme (Artikel 43 EU AI Act)
  • Unternehmen und Institutionen können Compliance-Strategien praktisch erproben
  • Rückkopplung in die Normungsentwicklung

3. Open Innovation in der Normung

💡 Kollaborative Entwicklung von Normen nach Open-Source-Prinzipien
➡ Beispiel: KI-gestützte Open-Source-Tools zur Konformitätsbewertung

Vorteile:

  • Breite Beteiligung durch offene Entwicklungsprozesse
  • Iterative Verbesserung basierend auf realem Feedback
  • Geringere Implementierungshürden für KMUs

4. Institutionelle Partnerschaften

🏛 Langfristige Kooperationen zwischen Normungsorganisationen und Anwendern.
➡ Beispiel: Partnerschaft zwischen DIN und KI-Anwendern für praxisnahe Leitfäden zur Umsetzung des EU AI Acts.

Formen der Zusammenarbeit:

  • Regelmäßige Konsultationen mit Anwendern
  • Gemeinsame Pilotprojekte zur Entwicklung neuer Normen
  • Ressourcenpools für kleine Unternehmen zur besseren Beteiligung

Praktische Ansätze zur Förderung offener Normung

1. Kapazitätsaufbau & Schulung

📚 Wissen und Kompetenzen für eine breite Beteiligung vermitteln.

🎯 Maßnahmen:
✔ Webinare & Workshops zur Einführung in Normungsprozesse
✔ Mentoring-Programme für KMUs zur effektiven Beteiligung
✔ Praxisleitfäden zur Umsetzung des EU AI Acts

2. Digitale Kollaborationsplattformen

🖥 Transparenz und Beteiligung durch digitale Tools verbessern.

🌍 Beispiel: Online-Plattform zur Diskussion und Co-Entwicklung neuer Normen.

3. Pilotprojekte & Demonstratoren

🛠 Erprobung neuer Normungsansätze in realen Anwendungen.

🎯 Beispiel: Leitfaden zur Konformitätsbewertung gemeinsam mit Unternehmen, Normungsinstitutionen und Forschung entwickeln.

4. Dialog- und Feedback-Mechanismen

🔄 Regelmäßige Konsultationen zwischen Normungsinstitutionen und Anwendern.

🎯 Beispiel: Community-Feedback zu neuen KI-Normen über strukturierte Umfragen und Roundtables einholen.


Community-Einbindung: Mitmachen & Vernetzen

Möglichkeiten zur Beteiligung

Erfahrungsaustausch – Welche Herausforderungen gibt es in deiner Organisation?
Use-Case-Sammlung – Welche Normungsthemen sind besonders dringend?
Expertise-Netzwerk – Vernetzung mit Fachleuten aus Wirtschaft, Forschung und Regulierung.
Pilotprojekte – Praktische Tests neuer Normungsansätze gemeinsam mit Partnern.

Nächste Schritte & geplante Initiativen

1. Aufbau einer Stakeholder-Datenbank

📋 Erfassung relevanter Organisationen und Experten zur besseren Koordination.

2. Organisation eines Runden Tisches mit DIN

🤝 Erster Dialog zwischen ANP-Mitgliedern und Normungsorganisationen zur offenen Normung.

3. Entwicklung eines Community-Engagement-Konzepts

📢 Langfristige Strategie für die kontinuierliche Einbindung von Interessengruppen.


Ressourcen & weiterführende Literatur

Grundlagendokumente

📖 EU AI Act (Regulation (EU) 2024/1689)
📖 DIN-Strategie 2030🔗 Link
📖 ISO Principles for Developing Standards🔗 Link

Wissenschaftliche Studien

📚 "Open Standardization: A New Paradigm for Innovation and Collaboration" (Journal of Standardization Research, 2023)
📚 "Multi-Stakeholder Governance in the Digital Age" (Policy Studies Journal, 2024)


Kontakt & Beteiligung

📩 Interesse an offener Normung? Fragen oder Ideen?
👉 ANP-Koordinationsteam

Florian Pesel

Projektmanager

ANP-Geschäftsstelle

DIN – Ausschuss Normenpraxis (ANP)

anp@din.de

+49 30 2601-7005 


 

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